ECONS II
Veröffentlicht am
01.10.2026
Aktualisiert am
01.10.2026
Lesezeit
3 min
Stand: 1. Oktober 2026
Definition
ECONS II (Enhanced Contingency Solution) ist die Notfalllösung innerhalb von T2. Fallen CLM oder RTGS aus, führt sie die Echtzeit-Bruttoabwicklung in Zentralbankgeld für die Zahlungen weiter, die nicht warten können.
ECONS II ist kein zweites Zahlungssystem und kein Ausweichclearing, sondern ein Bestandteil von T2. Es läuft während des Normalbetriebs in der jeweils anderen Region und wird dort täglich mit Stammdaten versorgt; aktiviert wird es vom Betreiber auf Mandat der zuständigen Gremien. Der Vorgänger aus TARGET2 hieß ECONS ohne Ziffer und ging Ende 2018 in Betrieb.
Abgrenzung
Nicht jede Störung führt zu ECONS II. T2 weicht zunächst innerhalb der eigenen Vorkehrungen aus, zwischen Rechenzentren und Regionen. ECONS II greift erst, wenn CLM oder RTGS über längere Zeit nicht verfügbar sind.
Von der Ebene der Clearingsysteme ist es ebenfalls zu trennen: TIPS, RT1 und der SEPA-Clearer haben eigene Notfallkonzepte. ECONS II betrifft die Zentralbankgeldebene.
Wie der Notbetrieb abläuft
Abgewickelt wird über Kontingenzkonten mit dem Startsaldo null. Liquidität gelangt über Liquiditätsüberträge, über das Sicherheitenmanagement oder aus anderen Eurosystem-Diensten dorthin; bei der Bundesbank sind unter anderem die Bereitstellung über ECMS und durch ein Mutterinstitut vorgesehen.
Welche Zahlungen überhaupt abgewickelt werden dürfen, legt nicht ECONS II fest: Jede zuständige Zentralbank bestimmt für ihre Währung, welche Geschäftsvorfälle als kritisch oder sehr kritisch gelten, und teilt das ihrem Markt mit. In Deutschland zählen dazu unter anderem CLS-Zahlungen, Deckungszahlungen für sehr kritische Zahlungen sowie Zahlungen aus der Abwicklung von LCH und EBA STEP2.
Eine Kontingenzsitzung kann bis zu fünf aufeinanderfolgende Geschäftstagswechsel überbrücken. Zum Abschluss gehen die Salden der Kontingenzkonten nach CLM, die Konten werden auf null gesetzt.
Technische Anbindung über ESMIG
Der Zugang führt über dasselbe Eingangstor wie zu den übrigen Eurosystem-Diensten, das ESMIG (Eurosystem Single Market Infrastructure Gateway) – allerdings über eine eigene Instanz, die von der für die T2-Produktion getrennt betrieben wird. Verbunden wird über einen Network Service Provider, mit dem der Teilnehmer dafür eine eigene Vereinbarung getroffen haben muss.
Authentifiziert wird mit Zertifikaten des Netzbetreibers; dieser prüft den Absender auf Netzebene, bevor die Anfrage ECONS II erreicht. Was ein Benutzer anschließend tun darf, ergibt sich aus seinem Berechtigungsprofil – jede Funktion in ECONS II ist einzeln als Privileg vergeben.
Einen Kanal für Anwendungen gibt es durchaus, und er nutzt ISO-20022-Nachrichten – er steht aber ausdrücklich nur den Zentralbanken offen. Das gilt auch für die Nebensysteme: Deren Abwicklungsdateien lädt die zuständige Zentralbank für sie hoch, einen eigenen Weg in ECONS II haben sie im Notbetrieb nicht.
Praktisch heißt das: Die Anbindung an CLM und RTGS trägt nicht automatisch in den Notbetrieb hinein. Netzvereinbarung, Zertifikate und Berechtigungen müssen für ECONS II gesondert bestehen, bevor sie gebraucht werden – und für Teilnehmer bleibt es dort bei der Handerfassung.
Normalbetrieb und Notbetrieb im Vergleich
| Merkmal | T2 im Normalbetrieb | ECONS II |
|---|---|---|
| Zweck | laufende Abwicklung des Zahlungsverkehrs | Weiterbetrieb für das Nötigste bei Ausfall |
| Start | nach dem Geschäftstagskalender | Aktivierung durch den Betreiber auf Mandat der zuständigen Gremien |
| Zahlungen | alle Zahlungsaufträge und Nebensystem-Transaktionen | nur was die zuständige Zentralbank als kritisch oder sehr kritisch bestimmt hat |
| Konto | MCA und DCA mit ihren Salden | Kontingenzkonto mit Startsaldo null |
| Liquidität | vorhandene Deckung auf den Konten | Liquiditätsüberträge, Sicherheitenmanagement, andere Eurosystem-Dienste |
| Zugang | Oberfläche und Anwendungsschnittstelle über ESMIG | eigene, getrennte ESMIG-Instanz; Oberfläche für Teilnehmer, Anwendungsschnittstelle nur für Zentralbanken |
| Dauer | fortlaufend | bis zu fünf aufeinanderfolgende Geschäftstagswechsel |
| Ende | regulärer Tagesabschluss | Restsalden gehen nach CLM, Kontingenzkonten auf null |
Bedeutung für Banken und Zahlungsdienstleister
Drei Dinge entscheiden darüber, ob ein Institut im Notbetrieb handlungsfähig ist. Erstens die Liste der eigenen kritischen Zahlungen – sie muss vorher feststehen und mit der eigenen Zentralbank abgestimmt sein, nicht im Störfall entstehen. Zweitens der Zugang: Was im Normalbetrieb automatisiert läuft, wird hier über die Oberfläche erfasst – von Personen mit gültiger Berechtigung, die im Ernstfall erreichbar sein müssen. Drittens die Liquidität, die erst auf das Kontingenzkonto gelangen muss.
Dazu kommt die Übungspflicht: Als kritisch eingestufte Teilnehmer und Institute, die kritische Zahlungen ausführen, nehmen regelmäßig an den ECONS-Tests teil.