Berlin Group

Veröffentlicht am

21.08.2026

Aktualisiert am

21.08.2026

Lesezeit

2 min

Definition

Die Berlin Group ist eine europäische Initiative zur technischen Standardisierung im Zahlungsverkehr. Sie entwickelt herstellerneutrale Spezifikationen für Schnittstellen und Datenformate – vom Kartenclearing bis zu den Schnittstellen des Open Banking.

Ihren Namen verdankt sie ihrem ersten Treffen im Oktober 2004 in Berlin. Heute gehören ihr rund 26 Organisationen aus mehr als zehn europäischen Ländern an: Banken, Bank- und Zahlungsverkehrsverbände, nationale und internationale Zahlungssysteme sowie Interbanken-Prozessoren.

Entscheidend für das Verständnis: Die Berlin Group versteht sich ausdrücklich als reines Standardisierungsgremium und nicht als Zahlungsverfahren. Sie schreibt niemandem vor, ihre Spezifikationen zu nutzen, und beteiligt sich auch nicht an deren Umsetzung – das entscheidet jeder Marktteilnehmer selbst.

Die wichtigsten Standards

NextGenPSD2
Das Rahmenwerk für den Kontozugriff durch Drittdienstleister nach PSD2, einschließlich der technischen Regulierungsstandards der EBA. Es hat sich als de-facto-Standard für Open Banking in Europa durchgesetzt: Nach Angaben der Berlin Group haben es über 75 Prozent der europäischen Banken sowie Hunderte von Drittdienstleistern umgesetzt. Zur Absicherung der Kommunikation dienen die eIDAS-Zertifikate, darunter QWAC.

openFinance API Framework
Seit dem 1. Januar 2021 ist NextGenPSD2 Bestandteil dieses größeren Rahmenwerks. Es setzt auf derselben Technik auf, geht aber über den regulatorischen Pflichtumfang hinaus und standardisiert zusätzliche Dienste. Damit ist es das Gegenstück zu der Entwicklung, die auf regulatorischer Seite mit FIDA auf Open Finance zusteuert.

SEPA Card Clearing (SCC(opens in new tab))
Das Rahmenwerk, das kartenausgelöste Transaktionen über die vorhandenen SEPA-Nachrichten abwickelbar macht: Der Einzug läuft als pacs.003 mit den Kartendaten in einem Zusatzcontainer. In Deutschland ist dies die Grundlage der girocard-Verrechnung über den SEPA Clearer.

Daneben arbeitet die Berlin Group an Standards für Mobile-P2P-Interoperabilität, Tokenisierung sowie an Spezifikationen für Autorisierung und Clearing nach ISO 8583.

Abgrenzung: Berlin Group, EPC und DK

Diese drei Gremien werden regelmäßig verwechselt, weil alle drei Regeln für den Zahlungsverkehr aufstellen. Sie tun es jedoch auf verschiedenen Ebenen.

 Berlin GroupEPC(opens in new tab)Deutsche Kreditwirtschaft(opens in new tab)
Rolletechnische StandardisierungScheme-Eignernationale Verbindlichkeit
ReichweiteEuropa und darüber hinausSEPA-RaumDeutschland
ErgebnisFrameworks, SpezifikationenRulebooksDFÜ-Abkommen, Verfahrensregeln
Verbindlichkeitfreiwillige Übernahmeverbindlich nach Beitrittverbindlich am deutschen Markt
BeitrittneinAdherence samt Registerüber Bankbedingungen

Das EPC definiert Zahlungsverfahren als Schemes: Wer teilnimmt, tritt förmlich bei, steht im Register of Participants und ist an das Rulebook gebunden. Rechte und Pflichten der Beteiligten sind Teil des Regelwerks.

Die Berlin Group definiert keine Verfahren, sondern Technik. Es gibt keinen Beitritt, kein Register und keine Verpflichtung. Ein Standard der Berlin Group wird dadurch wirksam, dass Marktteilnehmer ihn übernehmen – oder eben nicht.

Die Deutsche Kreditwirtschaft entscheidet, was am deutschen Markt gilt. Sie ist selbst in der Berlin Group vertreten und macht deren Spezifikationen für Deutschland verbindlich, indem sie sie in ihre eigenen Regelwerke übernimmt, z.B. im DFÜ-Abkommen oder in die Verfahrensregeln für den Zahlungsverkehr.

Das Zusammenspiel lässt sich am SEPA Card Clearing gut zeigen: Nachdem das EPC seine Zuständigkeit für Karten 2015 und 2016 abgegeben hatte, entstand eine Lücke. Die Berlin Group füllte sie mit einer Spezifikation Erst die Entscheidung der Deutschen Kreditwirtschaft, diese Spezifikation zur Grundlage der deutschen Kartenverrechnung zu machen, gab ihr in Deutschland Verbindlichkeit.

Quellen