European Payments Council (EPC)

Veröffentlicht am

20.08.2026

Aktualisiert am

20.08.2026

Lesezeit

3 min

Definition

Das European Payments Council (EPC) ist das Gremium, das die SEPA-Zahlungsverfahren definiert und weiterentwickelt. Es legt in sogenannten Rulebooks fest, wie eine SEPA-Überweisung oder eine SEPA-Lastschrift abzulaufen hat, welche Daten zu übermitteln sind, welche Fristen gelten, wie Rückgaben zu behandeln sind und welche Rechte und Pflichten die beteiligten Zahlungsdienstleister haben.

Praktisch bedeutet das: Hinter SCTSDD und SCT Inst(opens in new tab) steht jeweils ein EPC-Regelwerk. Wer diese Verfahren anbietet, ist dem entsprechenden Scheme beigetreten.

Gründung und Organisation

Das EPC wurde im Juni 2002 von europäischen Banken und Kreditwirtschaftsverbänden gegründet, um die Schaffung eines einheitlichen Euro-Zahlungsverkehrsraums voranzutreiben. Es ist ein internationaler Verein ohne Gewinnerzielungsabsicht mit Sitz in Brüssel.

Mitglieder sind über 80 Zahlungsdienstleister und deren Verbände (Stand 2026). Das Plenum, das die Beschlüsse fasst, umfasst rund 75 Sitze; ihre Verteilung richtet sich nach dem Transaktionsvolumen der einzelnen Länder, wobei kein Land mehr als acht Sitze erhält. Die inhaltliche Arbeit leisten Arbeitsgruppen, deren Vorlagen das Plenum verabschiedet.

Das Prinzip dahinter ist Selbstregulierung: Die Branche gibt sich ihre Regeln selbst, statt sie vom Gesetzgeber vorgeschrieben zu bekommen.

Die Schemes des EPC

SchemeGegenstand
SCTSEPA-Überweisung
SCT InstEchtzeitüberweisung
SDD CoreLastschrift, Verbraucher
SDD B2BLastschrift, Firmenkunden
OCT InstOne-Leg-Out-Echtzeitüberweisung
SRTPSEPA Request-to-Pay(opens in new tab)
VOPVerification of Payee

Die ersten fünf gelten als die eigentlichen Zahlungsverfahren. SRTP und VOP führt das EPC als eigenständige Schemes daneben. Sie lösen keine Zahlung aus, sondern gehen ihr voraus: SRTP als Zahlungsanforderung, VOP als Prüfung des Empfängernamens gegen die IBAN.

Rulebooks und Änderungszyklus

Ein Rulebook ist kein Vertrag zwischen zwei Instituten, sondern ein gemeinsames Regelwerk, dem Institute durch Beitritt (Adherence) unterworfen sind. Die beigetretenen Institute stehen im öffentlichen Register of Participants.

Die Fortschreibung folgt einem zweijährigen Zyklus mit festen Schritten. Für den Zyklus 26/27 bedeutet dies:

  • bis 31. Dezember 2025 – Einreichung von Änderungsanträgen
  • März bis Juni 2026 – dreimonatige öffentliche Konsultation
  • November 2026 – Veröffentlichung der neuen Version
  • November 2027 – Inkrafttreten

Der lange Vorlauf ist gewollt, damit Institute und Softwaredienstleister ein Jahr Zeit zur Umsetzung haben. Von diesem Rhythmus weicht das EPC nur ab, wenn der Gesetzgeber es erzwingt (so geschehen beim SCT-Inst-Rulebook 2025, das wegen der Instant Payments Regulation außerhalb der Reihe zum 5. Oktober 2025 in Kraft gesetzt wurde).

Neben den Rulebooks veröffentlicht das EPC Implementation Guidelines mit der konkreten Feldbelegung der ISO-20022-Nachrichten sowie Clarification Papers, die strittige Auslegungsfragen klären. Für die Praxis sind diese Dokumente oft wichtiger als das Rulebook selbst.

Was das EPC nicht ist

Diese Abgrenzung erklärt die meisten Missverständnisse:

Kein Regulator. Das EPC ist nicht Teil des institutionellen Gefüges der EU und erlässt kein Recht. Gesetze kommen vom europäischen Gesetzgeber (die SEPA-Verordnung, PSD2, die Instant Payments Regulation, künftig FIDA). Das EPC übersetzt diese Vorgaben in Verfahrensregeln. Die Teilnahme an einem Scheme ist grundsätzlich freiwillig, bis der Gesetzgeber sie verbindlich macht.

Kein Infrastrukturbetreiber. Über das EPC läuft keine einzige Zahlung. Die Abwicklung übernehmen CSM wie der SEPA Clearer der Bundesbank, RT1 oder TIPS. Das EPC schreibt vor, wie eine Zahlung auszusehen hat, aber nicht, auf welchem Weg sie transportiert wird.

Nicht mehr zuständig für Karten. Das EPC hatte 2006 das SEPA Cards Framework veröffentlicht, zog es im November 2015 zurück und übergab die Kartenstandardisierung 2016 an die heutige European Payments Stakeholders Group.

Relevanz für Banken

Für Institute ist das EPC die Quelle der verbindlichen Verfahrensregeln. Drei Punkte haben unmittelbare betriebliche Wirkung.

Der Änderungszyklus bestimmt die Release-Planung. Wer erst im November 2027 bemerkt, dass sich ein Rulebook geändert hat, hat den Vorlauf verpasst. Die Konsultationsphase ist zugleich die Gelegenheit, eigene Anforderungen einzubringen.

Die Adherence ist nachzuhalten. Beitritt und Registereintrag sind Voraussetzung für die Teilnahme; bei neuen Schemes wie VOP ist das ein eigener Vorgang.

Clarification Papers lösen Streitfragen. Bei Auslegungsfragen zu Fristen, R-Transaktionen oder Feldbelegungen ist das EPC-Dokument die maßgebliche Referenz.

Quellen