EIR (End-to-End Investigation Reference)
Veröffentlicht am
07.09.2026
Aktualisiert am
07.09.2026
Lesezeit
2 min
Die EIR (End-to-End Investigation Reference) ist die Fallreferenz im Bereich Exceptions & Investigations (E&I) des Swift Case Management. Sie ordnet alle Nachrichten, die zu einer Nachforschung gehören, eindeutig einem Fall zu – von der Eröffnung bis zum Abschluss.
Definition
Mit den Untersuchungsnachrichten camt.110 (InvestigationRequest) und camt.111 (InvestigationResponse) wird zu jedem Vorgang eine EIR vergeben. Über sie lassen sich sämtliche Informationen und alle Folgenachrichten zu diesem Fall zusammenführen. Sie ist damit das Gegenstück zur UETR auf einer anderen Ebene: Die UETR identifiziert die Zahlung, die EIR den Fall.
UETR und EIR im Vergleich
- UETR – identifiziert die Zahlung. Sie entsteht mit der Zahlungsinstruktion, begleitet sie durch die gesamte Kette und verbindet sie mit ihren Statusmeldungen wie pacs.002.
- EIR – identifiziert den Fall. Sie entsteht erst dann, wenn zu einer Zahlung eine Nachforschung eröffnet wird, und bündelt Anfrage, Zwischenstände, Antworten und Rückfragen.
Zu einer Zahlung kann es mehrere Fälle geben, und ein Fall kann über viele Nachrichten hinweg laufen. Erst beide Referenzen zusammen ergeben ein vollständiges Bild: Die UETR beantwortet die Frage „Um welche Zahlung geht es?“, die EIR die Frage „Um welchen Vorgang zu dieser Zahlung geht es?“
Funktion im Case Management
Die EIR ist nicht nur ein Ordnungsmerkmal für die Ablage. Sie ist die Voraussetzung dafür, dass der Case Orchestrator seine Aufgaben überhaupt erfüllen kann:
- Konsolidierung. Alle Nachrichten eines Falls laufen unter einer Referenz zusammen, statt als lose Einzelnachrichten nebeneinanderzustehen.
- Smart Routing. Weil der Fall als Einheit erkennbar ist, können Nachrichten gezielt an das zuständige Institut geleitet werden, statt sequenziell über die Korrespondenzbanken zu wandern.
- Nachverfolgung. Offene Fälle bleiben über ihre gesamte Laufzeit sichtbar; automatische Erinnerungen und Statusauswertungen setzen an der Fallreferenz an.
In der Nachricht selbst führen camt.110 und camt.111 jeweils die Untersuchungsreferenzen des anfragenden und des antwortenden Instituts (RqstrInvstgtnId und RspndrInvstgtnId). Die verbindliche Feldbelegung und die Regeln für die Vergabe ergeben sich aus dem Message Definition Report zum Message Set Exceptions and Investigations Modernisation sowie aus den CBPR+ Usage Guidelines.
Bedeutung für Banken und Zahlungsdienstleister
Für die Umsetzung folgt daraus eine schlichte, aber folgenreiche Anforderung: Die Fallreferenz muss im Backoffice dauerhaft am Vorgang hängen. Wird sie nur in der eingehenden Nachricht gelesen und nicht gespeichert, lassen sich Folgeanfragen und Zwischenstände nicht mehr automatisch dem richtigen Fall zuordnen – und die Bearbeitung fällt auf manuelle Recherche zurück, also genau auf den Zustand, den die Reform beseitigen soll.
Zu beachten ist außerdem die Reichweite: Die EIR gehört zum grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr über SWIFT CBPR+. Im SEPA-Raum kommt sie nicht vor; Nachforschungen laufen dort weiterhin über camt.027, camt.087 und camt.029 mit den Referenzmechanismen der jeweiligen Rulebooks des European Payments Council.
Quellen für Spezifikationen
- ISO 20022 – Message Definitions, Message Set „Exceptions and Investigations Modernisation“
- Swift – Case Management (Produktseite)
- Swift – Case Management for Exceptions & Investigations (Info Sheet, PDF)
- PPI – Rethinking E&I: the new Swift Case Management
- DPS – E&I with ISO 20022: an interview on target vision and reality