CLM (Central Liquidity Management)

Veröffentlicht am

27.08.2026

Aktualisiert am

27.08.2026

Lesezeit

5 min

Definition

CLM (Central Liquidity Management) ist die Liquiditätskomponente von T2, dem Großbetragszahlungssystem des Eurosystems. Zusammen mit der Komponente RTGS bildet sie den Dienst T2 innerhalb der TARGET Services, der im März 2023 TARGET2 abgelöst hat.

Die Aufgabenteilung zwischen beiden Komponenten ist der Kern des Systemdesigns:

  • CLM führt das Zentralbankkonto, wickelt die Zentralbankgeschäfte ab und verteilt Liquidität an alle übrigen TARGET-Dienste
  • RTGS wickelt den Zahlungsverkehr ab – Kundenzahlungen, Interbankzahlungen und die Verrechnung der Nebensysteme

Anders gesagt: Im CLM entsteht die Liquidität, im RTGS wird sie verbraucht. Ein Institut, das an T2 teilnimmt, kommt am CLM nicht vorbei – ohne Hauptkonto gibt es kein Konto in den übrigen Diensten.

Das Kontenmodell

Mit T2 hat das Eurosystem die früheren Konten von TARGET2 (das PM-Konto und das Heimatkontensystem HAM) durch eine klare Kontenhierarchie ersetzt.

KontoDienstZweck
MCA – Main Cash AccountCLMZentralbankgeschäfte, Mindestreserve, Kreditlinie
RTGS DCA – Dedicated Cash AccountRTGSZahlungsverkehr, Nebensystemverrechnung
T2S DCAT2SWertpapierabwicklung
TIPS DCATIPSEchtzeitzahlungen

Das MCA ist das Hauptkonto. Ein Institut darf mehrere davon führen, muss aber ein Default MCA benennen, das die Kreditlinie trägt und wo Offenmarktgeschäfte und ständige Fazilitäten abgewickelt werden.

Die DCAs sind reine Arbeitskonten: Sie werden aus dem MCA gespeist und geben überschüssige Liquidität dorthin zurück. Zum Stand 2026 sind auch die unterschiedlichen Betriebszeiten für Teilnehmer herausfordernd: TIPS ist 24/7/365 verfügbar, CLM folgt den T2 Betriebszeiten.

CLM — one pool of liquidity, three time profilesThe ECMS reports a credit line to the main cash account in the Central Liquidity Management component of T2. From the MCA liquidity is transferred to the dedicated cash accounts: the RTGS DCA for payments and the TIPS DCA for instant payments. Ancillary systems settle one step further on. The SEPA Clearer uses settlement procedure C, so liquidity is moved from the RTGS DCA to a sub-account before each of the daily cycles. EURO1 uses procedure A and settles one end-of-day position after the 16:30 cut-off. RT1 does not settle in RTGS at all but on a technical account in TIPS, around the clock. At the weekend T2 is closed, so no liquidity can move between the MCA and the TIPS account while instant payments keep running.ECMScollateralMCAmain cash account · CLMcentral bank operationsminimum reservesstanding facilitiescredit lineliquidity on the MCAopen 19:00 – 18:00feeds all other accountscredit lineRTGS DCApaymentsliquiditytwo exits,two rhythmsT2S DCATIPS DCAinstant paymentstransfertransferSub-accountdedicated liquidityTechnical accountEURO1Technical accountRT1, inside TIPSSEPA Clearerprocedure C · before every cycleEURO1procedure A · one position, cut-off 16:30RT1on a TIPS technical account · 24/7/365pre-fundcyclepositionsettlefundsettlekeeps running when T2 is closedclosedCLM closed — weekendT2 liquidity — where it comes from and where it goesThe ECMS reports a credit line: this is what makes the main cash account able to payFrom the MCA the liquidity is transferred to the dedicated cash accountsSEPA Clearer, procedure C: liquidity moves to a sub-account before every cycleEURO1, procedure A: a single end-of-day position after the 16:30 cut-offRT1 does not settle in RTGS at all — it settles on a technical account inside TIPS, around the clockAt the weekend T2 is closed: TIPS keeps running, but no liquidity can reach it any moreOne pool of liquidity, three time profiles — that is the real planning problem
CLM — from collateral to the main cash account, from there to the dedicated cash accounts, and on to the ancillary systems

Was im CLM abgewickelt wird

Über das MCA laufen die Geschäfte zwischen Institut und Zentralbank:

  • Offenmarktgeschäfte – Zuteilung und Rückzahlung der geldpolitischen Refinanzierungsgeschäfte
  • Ständige Fazilitäten – Einlagefazilität und Spitzenrefinanzierungsfazilität
  • Mindestreserve – die Erfüllung wird im CLM geführt
  • Kreditlinie – Einrichtung, Änderung und Rückführung des Innertageskredits
  • Liquiditätsübertragungen – in die DCAs und zurück

Bemerkenswert an der Mindestreserve: Für die Erfüllung zählen die Guthaben sämtlicher Konten über alle TARGET-Dienste hinweg – das Hauptkonto ebenso wie die zugehörigen DCAs. Liquidität, die auf einem TIPS DCA für Echtzeitzahlungen bereitliegt, ist damit nicht für die Reservehaltung verloren.

Liquidität steuern

Für die Verteilung der Liquidität stellt das CLM vier Mechanismen bereit:

  • Sofortige Liquiditätsübertragung (Immediate Liquidity Transfer) – auf Zuruf, sofort wirksam
  • Dauerauftrag – ein fester Betrag zu einem definierten Zeitpunkt des Geschäftstags
  • Regelbasierte Übertragung – „Floor“ und „Ceiling“: Unterschreitet ein RTGS DCA einen Mindestbetrag, wird automatisch nachgefüllt; überschreitet es einen Höchstbetrag, fließt der Überschuss auf das MCA zurück
  • Reservierungen – Liquidität wird für bestimmte Zwecke vorgehalten und steht anderen Zahlungen nicht zur Verfügung

Die regelbasierten Übertragungen sind das eigentliche Arbeitspferd. Sie ersetzen die manuelle Überwachung durch eine einmal gesetzte Bandbreite. Die Verteilung auf vier Kontoarten bleibt so in der Praxis beherrschbar.

Nebensysteme: die Einordnung

Hier ist eine Unterscheidung wichtig, die in der Praxis oft verschwimmt: Nebensysteme verrechnen nicht im CLM, sondern in der RTGS-Komponente. Das CLM ist die Quelle der Liquidität, die Verrechnung selbst findet einen Schritt weiter statt.

Ein Nebensystem (Ancillary System) ist eine Infrastruktur, in der Zahlungen ausgetauscht und verrechnet werden, deren Geldseite aber in Zentralbankgeld auf T2-Konten endgültig wird. Für diese Geldseite stellt T2 fünf Abwicklungsverfahren bereit:

VerfahrenPrinzipKonten
AStapel, „debits first“ – erst Belastungen, dann GutschriftenRTGS DCA und technisches Konto
BStapel, „all or nothing“ – alles oder nichtsRTGS DCA und technisches Konto
CVerrechnung über Unterkonten mit gewidmeter LiquiditätUnterkonto (Sub-Account)
DVorfinanzierung eines technischen KontosRTGS DCA und technisches Konto
Ebilaterale Verrechnung, jede Buchung für sichRTGS DCA und technisches Konto

Wie sich die bekannten Systeme darin einordnen:

SEPA Clearer der Deutschen Bundesbank nutzt Verfahren C. Die Verbuchung erfolgt ausschließlich über Unterkonten, die einem RTGS DCA zugeordnet sind. Vor jedem Verrechnungslauf wird nach dem Bruttoprinzip Liquidität vom RTGS DCA auf das Unterkonto übertragen. Die Einreichungsschlusszeiten sind über den Tag gestaffelt – nach den Verfahrensregeln für SEPA-Überweisungen sechs Fenster zwischen 8:00 und 20:00 Uhr. Für SEPA-Lastschriften und SCC-Karteneinzüge gilt dasselbe Verrechnungsmodell.

EURO1 von EBA CLEARING. Nutzt Verfahren A. EURO1 ist ein multilaterales Nettosystem mit „Single Obligation Structure“: Jeder Teilnehmer hat zu jedem Zeitpunkt genau eine Position gegenüber dem System, nicht viele bilaterale. Um 16:30 Uhr endet die Annahme, danach werden die Endpositionen in T2 verrechnet – erst die Sollpositionen, dann die Habenpositionen.

STEP2-T von EBA CLEARING. Nutzt Verfahren D. STEP2-T ist seit Juli 2022 auf Continuous Gross Settlement umgestellt: Zahlungen werden fortlaufend gegen ein vorfinanziertes technisches Konto verrechnet, statt in Zyklen. Das ist der bemerkenswerte Punkt für die Abgrenzung – ein klassisches Massenzahlungssystem, das intern nicht mehr nettet.

RT1 von EBA CLEARING. Fällt aus dem Rahmen: RT1 verrechnet nicht in der RTGS-Komponente, sondern über ein technisches Konto in TIPS. Der Grund ist der Betriebstag. RT1 läuft rund um die Uhr, die RTGS-Komponente nicht. Liquiditätsübertragungen zwischen TIPS DCA und dem technischen Konto eines Clearingsystems sind dagegen jederzeit möglich.

Zahlen

Aus dem TARGET Services Annual Report 2025:

Die Nebensystemverrechnung macht also nur einen kleinen Teil der Buchungen aus, trägt aber einen erheblichen Teil des Wertes. Jede Buchungen z.B. aus dem SEPA Clearer ist das verdichtete Ergebnis vieler Massenzahlungen.

Quellen