pacs.010 ISO 20022 Nachricht
Veröffentlicht am
03.09.2026
Aktualisiert am
03.09.2026
Lesezeit
3 min
pacs.010 ISO 20022 Nachricht: Definition
pacs.010 ISO 20022 Nachricht steht für „Financial Institution Direct Debit“. Mit dieser ISO 20022 XML-Nachricht zieht ein Kreditinstitut einen Betrag vom Konto eines anderen Kreditinstituts ein – eine Lastschrift, bei der sowohl der Zahlungsempfänger als auch der Zahlungspflichtige eine Bank ist.
pacs.010 ISO 20022 Nachricht: Umfang
Die pacs.010 ist das Lastschrift-Gegenstück zur pacs.009 ISO 20022 Nachricht (Financial Institution Credit Transfer): Während die pacs.009 einen Betrag von der sendenden Bank zur empfangenden Bank überträgt, holt die pacs.010 einen Betrag von der Gegenseite ab. Im Unterschied zur pacs.003 ISO 20022 Nachricht, die eine Kundenlastschrift (SEPA SDD) zwischen Banken transportiert, gibt es bei der pacs.010 keinen Kunden als Debitor oder Creditor – Zahlungspflichtiger und Zahlungsempfänger sind Finanzinstitute, und die Lastschrift setzt eine zwischen ihnen vereinbarte Einzugsermächtigung (Direct Debit Mandate) voraus.
Typische Einsatzfälle sind der Einzug von Gebühren, Zinsen oder Margin-Zahlungen zwischen Banken, Liquiditätsabrufe innerhalb einer Bankengruppe, Belastungen durch Zentralbanken oder Nebensysteme sowie die Abwicklung von Verpflichtungen aus Clearing- und Settlement-Vereinbarungen.
Folgende ISO 20022 Nachrichten stehen mit der pacs.010 in Zusammenhang:
- pacs.002 ISO 20022 Nachricht – Statusmeldung: Annahme/Settlement (ACSC) oder Ablehnung (RJCT)
- camt.054 ISO 20022 Nachricht – Belastungs-/Gutschriftanzeige an die beteiligten Konten
- camt.053 ISO 20022 Nachricht – Kontoauszug zum Tagesende
- pacs.009 ISO 20022 Nachricht – Bank-zu-Bank-Überweisung, die Gegenrichtung
- pacs.003 ISO 20022 Nachricht – Kundenlastschrift zwischen Banken (SEPA SDD)
pacs.010 ISO 20022 Nachricht: Verwendung
Allgemein
Die pacs.010 wird im Individualzahlungsverkehr (Large Value Payments) eingesetzt – im Eurosystem über T2 (TARGET2), weltweit über SWIFT gemäß den CBPR+ Usage Guidelines. In den SEPA-Verfahren kommt sie nicht vor: SEPA SDD nutzt für Lastschriften ausschließlich die pacs.003.
T2 (TARGET2) / RTGS
FinancialInstitutionDirectDebit – pacs.010.001.03
In der RTGS-Komponente von T2 ist die pacs.010 die Nachricht, mit der ein Teilnehmer (Creditor Bank, Instructing Agent) das RTGS-Konto eines anderen Teilnehmers (Debitor Bank, Instructed Agent) belastet. Voraussetzung ist ein Direct Debit Mandate, das die Debitor Bank der Creditor Bank erteilt und das in den Common Reference Data (CRDM) hinterlegt ist – optional mit einem Höchstbetrag pro Einzug und pro Tag. T2 prüft Mandat und Limit, führt das Settlement aus (Belastung des Debitor-Kontos, Gutschrift auf dem Creditor-Konto) und bestätigt dies der Creditor Bank mit einer pacs.002. Fehlt ein gültiges Mandat oder ist das Limit überschritten, wird die pacs.010 mit einer negativen pacs.002 abgewiesen. Die Debitor Bank erfährt von der Belastung – je nach Message Subscription – über eine camt.054 sowie über den Kontoauszug camt.053. Auch Zentralbanken nutzen die pacs.010, etwa um ihren Teilnehmern Gebühren oder andere Beträge zu belasten. Der vollständige Dialog:
Eine pacs.010 kann von der Debitor Bank nicht zurückgewiesen werden – die Kontrolle erfolgt allein über das Mandat und seine Limits. Ist ein Einzug zu Unrecht erfolgt, muss der Betrag mit einer pacs.009 zurücküberwiesen werden.
SWIFT MX (CBPR+)
FinancialInstitutionDirectDebit – pacs.010.001.03
Im weltweiten SWIFT-Zahlungsverkehr ist die pacs.010 als Lastschrift zwischen Finanzinstituten definiert, für die es im MT-Standard keine direkte Entsprechung gab (Einzüge wurden dort bilateral über MT202 abgewickelt). Sie wird vor allem in einzelnen Märkten und Bankengruppen sowie für Gebühren- und Zinsabrechnungen zwischen Korrespondenzbanken genutzt; auch hier ist ein bilateral vereinbartes Mandat Voraussetzung. Mit SWIFT sind Einzüge in anderen Währungen möglich.