OCT Inst
Veröffentlicht am
16.09.2026
Aktualisiert am
16.09.2026
Lesezeit
4 min
Stand: 16. September 2026
OCT Inst (One-Leg Out Instant Credit Transfer) ist das Verfahren des European Payments Council für internationale Echtzeitüberweisungen, bei denen nur eine Seite im SEPA-Raum liegt. Das Regelwerk deckt nicht die ganze Zahlung ab, sondern ausschließlich das Euro Leg – den Teil, der innerhalb von SEPA abgewickelt wird. Das Rulebook beschreibt OCT Inst folgerichtig als „Zahlungsmittel für die Ausführung des Euro Leg internationaler Zahlungen auf Basis von Echtzeitüberweisungen“. Die Gegenseite heißt dort Non-Euro Leg; beide Begriffe werden im Folgenden so verwendet wie im Regelwerk.
Abgrenzung
Gegenüber SCT Inst ist der Unterschied nicht die Geschwindigkeit, sondern die Reichweite: SCT Inst ist für Zahlungen gebaut, die von Anfang bis Ende in Euro und innerhalb von SEPA laufen. OCT Inst greift, sobald eine Seite außerhalb liegt. Mindestens ein Bein muss dabei auf Euro lauten; das andere kann auf jede Währung lauten. Aufgebaut ist das Verfahren bewusst auf SCT Inst.
Wählen Sie das Verfahren, das Sie sehen möchten:
| Merkmal | SCT | SCT Inst | OCT Inst |
|---|---|---|---|
| Start | Januar 2008 | November 2017 | November 2023 |
| Verpflichtung | Teilnahme formal freiwillig, über die SEPA-Verordnung praktisch unumgänglich | über die Instant-Payments-Verordnung verpflichtend: Empfang seit Januar 2025, Versand seit Oktober 2025; außerhalb des Euro-Raums 2027 | freiwillig |
| Reichweite | beide Seiten im SEPA-Raum | beide Seiten im SEPA-Raum | eine Seite außerhalb des SEPA-Raums |
| Währung | Euro | Euro | mindestens ein Bein in Euro, das andere in beliebiger Währung |
| Zeitlimit | ein Geschäftstag | fünf Sekunden bis zur Bestätigung, Time-out nach sieben Sekunden | zehn Sekunden im Euro Leg, Time-out nach 20, äußerste Frist 25 |
| Verification of Payee | ja, im Euro-Raum seit Oktober 2025 verpflichtend | ja, im Euro-Raum seit Oktober 2025 verpflichtend | vom VoP-Regelwerk nicht abgedeckt |
| Clearingsysteme | STEP2, SEPA-Clearer der Bundesbank und weitere Systeme | RT1, TIPS und weitere Systeme | die bestehenden Instant-Systeme; in der Praxis der Cross-Currency-Dienst von TIPS |
Zeitplan und Stand
Das Verfahren ist seit dem 28. November 2023 in Kraft; die ersten Teilnehmer (Iberpay und Santander) wurden im Mai 2024 bekannt gegeben. Das Rulebook trägt die Nummer EPC158-22. Praktische Bedeutung bekam OCT Inst mit dem Cross-Currency-Dienst von TIPS, der seit Oktober 2025 allen TIPS-Teilnehmern offensteht und ausdrücklich auf dem OCT-Inst-Verfahren aufsetzt; beteiligt sind (Stand2026) Euro, schwedische Krone und dänische Krone.
Wie alle EPC-Verfahren wird OCT Inst in einem festen Zyklus fortgeschrieben. Welche Fassung gerade gilt und welche Änderungen verabschiedet sind, steht auf den Seiten des EPC.
Verification of Payee wird bislang nicht unterstützt: Das VoP-Regelwerk deckt nur SEPA-Überweisungen ab. Eine spätere Erweiterung auf OCT Inst hat das EPC ausdrücklich offengelassen, ohne sich auf einen Zeitpunkt festzulegen.
Die vier Rollen
Das Verfahren kennt vier Rollen, je zwei für jede Richtung. Ausgehend übergibt der Zahler-PSP an den Exit-PSP, der die Zahlung aus dem Euro Leg herausführt. Eingehend nimmt der Entry-PSP die Zahlung auf und reicht sie an den Empfänger-PSP weiter. Entry- und Exit-PSP sind die eigentliche Neuerung: Sie sind das Tor zum Euro Leg und können diese Rolle als eigenes Geschäftsmodell anbieten.
Nachrichten
Im Euro Leg wird durchgehend ISO 20022 verwendet, derzeit auf Basis der Fassung von 2019. Die Implementation Guidelines des EPC ordnen den Datensätzen des Rulebooks die folgenden Nachrichten zu:
- pacs.008 – die Zahlung selbst; dieselbe Nachricht dient auch der Zahlung von Nachforschungsentgelten.
- pacs.002 – die positive oder negative Bestätigung.
- pacs.004 – die Rückgabe und, als eine von zwei Möglichkeiten, die Antwort auf einen Recall.
- camt.056 – der Recall.
- camt.029 – die Antwort auf einen Recall oder auf eine Nachforschung.
- camt.027 – die Nachforschung.
- pacs.028 – die Statusabfrage.
Die Gemeinsamkeiten mit SCT Inst erleichtern den SEPA PSPs die Umsetzung.
Fristen
Die Uhr beginnt mit dem Euro Leg Time Stamp. Ausgehend setzt ihn der Zahler-PSP bei Eingang des Auftrags, eingehend der Entry-PSP nach der Prüfung. Von da an gelten drei Marken: zehn Sekunden als Zielvorgabe für die Bestätigung, 20 Sekunden als Time-out – wird sie überschritten, ist die Zahlung abzulehnen – und 25 Sekunden, bis die Bestätigung den Ausgangspunkt erreicht haben muss.
Clearing, Währungsumtausch und Entgelte
Abgewickelt wird im Euro Leg über die dort bereits vorhandenen Clearing- und Abwicklungssysteme. Das Verfahren schreibt kein bestimmtes System vor: Das EPC verweist ausdrücklich auf die „bestehenden zwischengeschalteten Zahlungsdienstleister und Clearing- und Abwicklungssysteme im Euro Leg". Die Systeme sind dabei ihren eigenen Teilnehmern gegenüber verantwortlich, nicht dem Verfahren.
Für die Deckung gilt derselbe Mechanismus wie bei der Echtzeitüberweisung: Das System des Entry-PSP reserviert die Mittel unmittelbar als Deckung für die Zahlung. Und wie bei SCT Inst gibt es eine Erreichbarkeitszusage – wer teilnimmt, verpflichtet sich, mindestens in der Rolle des Empfänger-PSP Zahlungen jedes Entry-PSP anzunehmen. In der Praxis läuft die Abwicklung heute vor allem über den Cross-Currency-Dienst von TIPS; bilaterale Vereinbarungen sind daneben möglich.
Wer die Währungsumrechnung vornimmt, legt das Verfahren nicht fest. Es ist ausdrücklich „agnostisch" dazu, ob, wie, an welcher Stelle der Kette und durch wen umgerechnet wird – der Umtausch kann also im Non-Euro Leg stattfinden, ebenso gut aber beim Entry- oder Exit-PSP. Vorgeschrieben ist allein, dass alle Einzelheiten der Umrechnung vollständig transparent gemacht werden.
Der Höchstbetrag liegt bei 100.000 Euro (Stand 2026); er wird jährlich überprüft und kann bei Bedarf angepasst werden.