APPIA

Ein Beitrag von

Andreas Wegmann & AI friends

Veröffentlicht am

12.03.2026

Aktualisiert am

13.03.2026

Lesezeit

2 min

Appia und Pontes: Die DLT-Strategie des Eurosystems für den Wholesale-Zahlungsverkehr

Nach umfassenden Explorationsarbeiten mit über 50 Tests im Jahr 2024 hat das Eurosystem die Weichen für die Zukunft des tokenisierten Finanzmarktes gestellt. Im Juni 2025 verabschiedete der EZB-Rat eine zweigleisige Strategie, um die Abwicklung von DLT-basierten Wholesale-Transaktionen in Zentralbankgeld (CeBM) massiv voranzutreiben. Für Finanzinstitute ergeben sich daraus tiefgreifende technologische und strukturelle Veränderungen.

Pontes – Die operative Brücke ab 2026

Um die unmittelbare Marktnachfrage zu bedienen, wird im dritten Quartal 2026 die Lösung „Pontes“ an den Start gehen,. Pontes fungiert als interoperable Brücke, die DLT-Infrastrukturen des Marktes mit den bestehenden TARGET-Services des Eurosystems verbindet. Dies ermöglicht es Finanzinstituten, ihre DLT-basierten Dienstleistungen frühzeitig zu skalieren und Transaktionen sicher in Zentralbankgeld abzuwickeln.

Appia – Der Blueprint für das DLT-Ökosystem der Zukunft

Während Pontes den kurzfristigen Bedarf deckt, zielt die Initiative „Appia“ auf eine ganzheitliche Transformation ab,. Bis zum Jahr 2028 soll in enger Kooperation mit dem Markt ein „Blueprint“ (Bauplan) für ein vollständig integriertes, innovatives Finanz-Ökosystem entwickelt werden.

Appia verfolgt dabei vier strategische Kernziele:

  1. Zentralbankgeld als Anker: Die Gewährleistung von CeBM als sicherstes Abwicklungsmittel in einem zweistufigen System zur Wahrung der Finanzstabilität.
  2. Integration und Wettbewerb: Der Aufbau effizienter gemeinsamer Basis-Infrastrukturen („Shared Utilities“), die das Silo-Denken aktueller Systeme überwinden und Marktbarrieren senken,.
  3. Strategische Autonomie: Die Stärkung der europäischen Resilienz, um kritische Abhängigkeiten von ausländischen Technologien oder Gesetzgebungen zu vermeiden,.
  4. Globale Relevanz: Die Steigerung der Attraktivität des Euro als internationale Währung im tokenisierten Raum.

Die sechs analytischen Bausteine von Appia

Um diese Vision technisch und regulatorisch zu realisieren, strukturiert das Eurosystem die Analyse unter Appia in sechs „Building Blocks“: 

  • Interoperabilität & Standards: Etablierung von Mechanismen und Datenformaten, um tokenisierte Assets über verschiedene Plattformen hinweg transferieren zu können.
  • Geldpolitik & Sicherheiten: Konzeption der Abwicklung geldpolitischer Operationen und des Collateral Managements direkt auf der DLT.
  • CeBM-Infrastruktur: Entwicklung europäischer Infrastruktur-Konfigurationen für die Bereitstellung von tokenisiertem Zentralbankgeld.
  • Grenzüberschreitende Verbindungen: Förderung der Interoperabilität mit globalen DLT-Ökosystemen und anderen Zentralbanken.
  • Sicherheit & Regulierung: Analyse und Anpassung der rechtlichen sowie aufsichtsrechtlichen Rahmenbedingungen.
  • Implementierungsstrategie: Bewertung der Auswirkungen dieses neuen Ökosystems auf die bestehenden TARGET-Infrastrukturen.

Ihre Expertise ist gefragt Der Weg zu einem DLT-basierten Wholesale-Markt erfordert eine enge öffentlich-private Partnerschaft. Das Eurosystem lädt Marktteilnehmer, Technologieanbieter und Zahlungsverkehrsexperten explizit dazu ein, den Appia-Blueprint aktiv mitzugestalten. Feedback zum Konzept sowie Interessenbekundungen für die Mitarbeit an den praktischen Tests können noch bis zum 22. April 2026 über einen speziellen Fragebogen eingereicht werden.

Wenn Sie als Finanzdienstleister technische Unterstützung suchen, freuen wir uns auf Ihre Kontaktaufnahme.

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