Pontes (lateinisch: Brücken) ist der Name eines Pilotprojekts des Eurosystems, das die Abwicklung von Großkunden-Finanzgeschäften in Zentralbankgeld mittels Distributed-Ledger-Technologie (DLT) ermöglicht. Ziel ist es, eine Brücke zwischen modernen Marktplattformen und den bestehenden TARGET-Diensten zu schlagen, um die Interoperabilität im europäischen Zahlungsverkehr zu stärken.

Wie funktioniert PONTES?
Die Lösung bietet ein duales Abwicklungsmodell, bei dem Transaktionen entweder über Cash-Token auf einer Eurosystem-eigenen DLT oder direkt im T2-System finalisiert werden können. Ein zentrales Element ist das Hash-Link-Protokoll, welches die sichere Synchronisation von Zahlungen und Vermögenswerten nach dem Prinzip „Lieferung gegen Zahlung“ gewährleistet.
Die Architektur der Lösung
• T2-Schnittstelle (T2 Interface): Diese Komponente ist der einzige Zugangspunkt zu den TARGET-Services über das bestehende Eurosystem Market Infrastructure Gateway (ESMIG). Sie beinhaltet ein sogenanntes „Trigger Backend“, das die automatisierte Finanzierung (Funding) und Rückführung (Defunding) von tokenisierter Liquidität sowie die direkte Abwicklung im T2-RTGS-System steuern. Hierfür werden technische Zwischenkonten und Token-Emissionskonten genutzt, die rechtlich der EZB unterstehen.
• Eurosystem DLT-Plattform (ESY DLT): Dies ist eine genehmigungspflichtige („permissioned“) Blockchain-Infrastruktur, die den Geld-Teil (Cash Leg) von Transaktionen verwaltet. Sie besteht aus Knoten (Nodes), die von den nationalen Zentralbanken betrieben werden, sowie einem Emittenten-Knoten der EZB für die Ausgabe von Cash-Token.
• Extended Interoperability Interface (EII): Dies ist der einzige Zugangspunkt für Marktteilnehmer zur Eurosystem DLT, verfügbar über eine Programmierschnittstelle (API) und eine grafische Benutzeroberfläche (GUI). Sie leitet Anfragen an den korrekten Knoten weiter.
Welcher Nutzen entsteht?
PONTES soll wie ein universeller Adapter fungieren, der modernste digitale Marktplätze (Markt-DLTs) an das Eurosystem anschließt. Alle Beteiligten profitieren:
• Den Händlern (Banken) nützt er, weil sie auf den neuen digitalen Märkten handeln und dabei ihre Anbindung an das Eurosystems nutzen können.
• Den DLT-Betreibern nützt er, weil sie ihren Kunden einen transparenten, von der EZB garantieren Ablauf bieten können.
• Dem Eurosystem nützt er, weil der Euro als Währung mit der Teilnahme am DLT-Markt an Bedeutung gewinnt.
Zeitplan
Dem Projekt ging eine Explorationsphase voraus, die zwischen Mai und November 2024 stattfand und die Marktnachfrage nach DLT-Abwicklung in Zentralbankgeld bestätigte. Der Pilot startet im Q3 2026 als „Short-Term-Track“, ergänzt durch langfristige Appia-Entwicklungen. Marktakteure wie französische und slowenische Treasuries sind bereits an Bord (siehe
hier).
PONTES ist der erste Teil des „Two-track approach“. Es fungiert als kurzfristiges Angebot („Track 1“), um schnell eine Marktlösung bereitzustellen. Parallel dazu wird an „Appia“ als potenzieller langfristiger Lösung („Track 2“) gearbeitet.
In diesem kurzen YouTube Video wird das Projekt ebenfalls dargestellt: PONTES
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